Tag-Archiv für 'kopfbahnhof-21'



Stuttgart 21: Das Märchen vom grünen Projekt

(Korrespondenz Stuttgart)

Die „S21″-Betreiber behaupten, mit „S21″ würden 18 Millionen PKW-Fahrten mit 350 Millionen Kilometern pro Jahr vom Auto auf die Schiene verlagert und damit 70.000 Tonnen CO2 im Jahr eingespart. Wahr oder unwahr? Tunnelbohrer-Fabrikant Herrenknecht hatte auch davon gehört und bei Maischberger kurz mal 170.000 Tonnen daraus gemacht …

Die Zahlen entsprechen etwa 20 Kilometern Entfernung bei 40.000 Pendlern pro Arbeitstag. Woher wissen die Betreiber, dass 40.000 Pendler das Auto stehn lassen werden? Die Zahl stamme „aus unterschiedlichen Erwägungen und zahlreichen Zusammenstellungen von Untersuchungen … die Quellen liegen im Einzelnen nicht vor“, so antwortete der frühere „S21″-Sprecher Drexler auf meine konkrete Nachfrage. Ansonsten verweist er auf die „volkswirtschaftliche Bewertung“, vom Lande Baden-Würtemberg beauftragt. Die Zahl der Umsteiger ist durch nichts zu beweisen, wird aber von den Befürwortern in den Raum gestellt wie eine unumstößliche Tatsache. Bedauerlicherweise haben die hochbezahlten Gutachter einiges unterschlagen.

2 × 160 Höhenmeter unterschlagen

Allein die ICEs würden auf der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm etwa 18.000 Tonnen CO2 pro Jahr erzeugen. Der Grund: die Züge müssen vom Hauptbahnhof Stuttgart erst zum Flughafen 160 Höhenmeter mehr überwinden, fahren wieder runter und müssen von Wendlingen über die Alb nochmals 160 Höhenmeter mehr als auf der alten Strecke überwinden. (Rechenannahme: 44 Züge derzeit in beide Richtungen pro Tag + 50 Prozent geplante Erhöhung, doppelte ICE 3 zu 50 Prozent besetzt mit je 850 Tonnen, 28 Gramm CO2 für die Anhebung je einer Tonne um 10 Meter. Die Einsparung durch Generator-Bremsen und der Mehrverbrauch für Hochgeschwindigkeit blieben unberücksichtigt.) Dazu kommen noch die Regionalzüge, die z.B. von Reutlingen/Tübingen auch über den Flughafen-Bahnhof fahren sollen mit je 160 Höhenmeter zusätzlich.

Fliegen 1,5 Millionen Fluggäste CO2-frei?

Die Betreiber werben damit, sie würden 1,5 Millionen Fluggäste pro Jahr mehr zum Flughafen Stuttgart holen. Sind denn die Jets schon CO2-frei? Oder in welchem schwarzen Loch verschwindet der CO2-Ausstoß durch 1,5 Millionen zusätzlicher Fluggäste?

Nun, da findet sich wieder Abenteuerliches im Gutachten: Der erstaunte Leser erfährt, dass diese 1,5 Millionen Fluggäste keinen zusätzlichen CO2-Ausstoß bedeuten, weil das Fluggäste sind, die von anderen Flughäfen abgeworben werden! Ein Fluggast brauch heute z.B. von Tübingen zum Flughafen Stuttgart etwa 1,5 Stunden, nach Frankfurt aber 2,25 Stunden. Warum sollte er erst mit „S21″ Frankfurt den Rücken kehren? Sollen etwa 10 bis 18 Milliarden Euro in „S21″ investiert werden für den Konkurrenzkampf der Flughäfen und damit Stuttgart doch noch eine zweite Startbahn bekommt? Kann irgendjemand den volkswirtschaftlichen Sinn eines solchen Vorhabens erklären?

„S21″ zieht neuen Autoverkehr an

Auf dem freien A1-Gelände am Hauptbahnhof soll ein Shopping-Center des Hamburger Betreibers ECE angesiedelt werden (in deren Stiftungsrat saßen bis vor kurzem OB Schuster und Umweltministerin Gönner). ECE verlangt 1.600 Parkplätze, mitten in der Stadt. Wo stehen die in der CO2-Bilanz?

Zugfahren wird noch teurer

Durch „S21″ würden alle Zugfahreten teurer, die die Neubaustrecke befahren. Die Gebühren auch für Regionalzüge steigen, denn sie werden nach der auf der jeweiligen Strecke höchstmöglichen Geschwindigkeit berechnet. Außerdem steigen die Bahnhofs-Gebühren, da der Betrieb von „S21″ mit Aufzügen, Rolltreppen, Lüftungsanlagen viel teurer ist als ein Kopfbahnhof. Für ein massenhaftes Umsteigen vom Auto auf die Bahn muss Bahnfahren aber wesentlich billiger werden, im Nahverkehr sogar umsonst. Aber was macht die Politik im Auftrag der Auto-Lobby: Die Straßen werden ständig weiter ausgebaut – so ist z.B. geplant, die B 27 von Reutlingen-Tübingen nach Stuttgart, eine der vielen nervigen Staustrecken, 6-spurig auszubauen, statt mehr schnelle, gute und billige Nahverkehrsverbindungen zu schaffen.
Was will man da anderes sagen als „Lügenpack“!



Stuttgart 21: Der „schwarze Donnerstag“ und seine Lehren

Dokumentiert aus rf-news.de

Erst waren es Jugendliche, nicht wenige noch im Kindesalter, und ältere Leute, die sich am Vormittag den Polizeihundertschaften aus mehreren Bundesländern, darunter bewusst keine aus Baden-Württemberg (der eigene Polizeipräsident schätzte sie als unzuverlässig ein!), entgegenstellten. Dann, alarmiert meist über sms und E-Mail, kamen in kürzester Zeit Tausende vor Ort, viele ließen einfach alles stehen und liegen, denn seit Wochen hatten sie sich auf den Schutz der Bäume vorbereitet.

Wasserwerfer, Pfefferspray, Knüppel und Tritte gegen friedliche Demonstranten, das hatten sich die meisten dennoch nicht vorgestellt. Was sie erlebten, war ein Polizeieinsatz, wie es ihn seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben hat. Die Herrschenden reagierten damit auf den anhaltenden Stimmungsumschwung im ganzen Land, der an bestimmten Brennpunkten wie aktuell Stuttgart 21 bereits Züge des aktiven Volkswiderstandes angenommen hat. (mehr…)



Stuttgart 21: Was steckt hinter der Polizeigewalt?

(Bericht vom 1. Oktober 2010)

Es ist Donnerstag nachmittag im Stuttgarter Schloßpark. Der Strahl eines Wasserwerfers trifft auf eine Gruppe Jugendlicher, die friedlich eine Sitzblockade durchführen. Die Bilder sieht man kurz darauf überall im Internet und am nächsten Tag in der Presse. Der Inhalt der Wasserwerfers ist ein Gemisch aus Wasser und Tränengas. Die Cops gehen weiter mit Reizgas und Knüppeln gegen die Protestierenden vor. Die Bilanz des Tages sind hunderte Verletzte.

Viele TeilnehmerInnen des Protestes gegen „Stuttgart 21″ sind von dieser Härte der Polizei überrascht. Unverständnis wechselt in Empörung und Wut. Die Polizei, die aus mehreren Bundeländern Einheiten zusammenkarrte, machte vor niemandem Halt. Sie griff Kinder genauso an wie ältere Menschen. Aufgrund dieser Rambo-Taktik stellen sich viele Leute die Frage: Warum ging die Polizei so brutal gegen friedliche Demonstranten vor?

Die herrschende Ordnung ist die Ordnung der Herrschenden

Ein Tag danach wird das üble Vorgehen, damit erklärt, dass es Kommunikationsprobleme der Beteiligten vor Ort gegeben hätte. Der Einsatz wird von den Verantwortlichen weiterhin gerechtfertigt. Es ist ungeheuerlich, dass den Protestierenden, die wirklich alles andere als gewalttätig agieren, eine Mitschuld gegeben wird. Aber ganz davon abgesehen wird die Schuld bei Einzelnen gesucht. Das wurde bei der Weltwirtschaftskrise, genauso wie bei der Loveparade-Tragödie in Duisburg gemacht. Und das ist eine Lüge.

Jetzt lassen die Regierenden und „Stuttgart 21″-Betreiber, angeführt von Bundeskanzlerin Merkel und Ministerpräsident Mappus, die demokratische Maske fallen. Nachdem ihre Betrugsmanöver gescheitert sind und bei der Masse der Menschen auf Ablehnung stießen, setzen sie nun auf offene Gewalt. Die Repression des Staates gegen fortschrittliche Bewegungen hat Tradition. Sie dient vor allem der Abschreckung, Ausgrenzung und Entpolitisierung. Das Ziel der Repression ist der Machterhalt der Herrschenden.

Der Polizeieinsatz fand ja nur deshalb statt, weil die Massenbewegung des aktiven Widerstandes in den letzten acht Wochen enorm angestiegen ist und bundesweit sowie international immer größere Aufmerksamkeit und Solidarität erhält. Die jetzige Brutalität hat das Ziel die Menschen einzuschüchtern, sodass eine gewisse Angst entsteht. Desweiteren soll den Leuten ihre angebliche Machtlosigkeit vor Augen geführt werden, sodass eine Resignation unter den Protestierenden einsetzt und so die Bewegung an Zuspruch verliert.

Vorerst wurde aber das Gegenteil erreicht am Freitagabend demonstrierten bis zu 100.000 Menschen durch die Stuttgarter Innenstadt. Dies ist bis jetzt die größte Demonstration gegen „Stuttgart 21″ und auch ein Zeichen, dass sich die Protestbewegung nicht einschüchtern lässt. Dies stimmt positiv für die Zukunft.

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Stuttgart 21: Warten auf die Landtagswahl? Nein: Demokratie!

Der folgende Artikel beschäftigt sich mit den Illusionen in die „bürgerliche Demokratie“, die beim Protest gegen „Stuttgart 21″ geschürt werden. Dies geschieht vor allem durch Vertreter von SPD und Grünen. Eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit dem kapitalistischen System und der Diskussion einer sozialistischen Alternative ist deswegen gerade auch beim „S21″-Protest wichtig.

Der erste Teil des Artikels setzt sich mit der Illusion auseinander auf die Landtagswahl zu warten und macht als Vorschlag selber demokratische Strukturen aufzubauen.
Der zweite Teil geht genauer auf das Wesen der „bürgerlichen Demokratie“ ein und macht den Vorschlag einer sozialistischen Alternative.

Was wollen wir noch mehr? Demokratie

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Stuttgart 21: Ein Rentnerprotest? Von wegen!

(Bericht vom REBELL Stuttgart)

Noch im März diesen Jahres erklärte die „Junge Union“ die Montagsdemos gegen „Stuttgart 21″ zur Versammlung der sentimentalen rückwärtsgewandten Eisenbahnromantiker. Das war voll daneben. Gerade die Formen des aktiven Widerstands zieht viele Jugendliche an. Einige verbrachten ihre kompletten Ferien an der Baustelle und übernehmen nachts Patrouilliue-Schichten. Allerdings ist auch auffällig, dass die Jugend mit 47 Prozent die größte Zustimmung für das Bauprojekt gibt. (23 Prozent Zustimmung insgesamt) Weil sie sich wenig mit den detaillierten fakten befasst hat, wirkt die massive Werbepropaganda, besonder zieht das Argument „Was neu und modern ist, ist gut“

Es sind oder waren wohl insgesamt an die 20.000 Jugendliche im Protest in irgendeiner Form aktiv. Eine Herausforderung an den REBELL! Seit Anfang August waren Rebellen täglich, zum Teil organisatorisch erkenntlich, aktiv und haben sich einen Namen gemacht.

Ein Rebell begann einen Hungerstreik.Nach zwei Tagen merkte er aber, dass das ungeeignet ist, weil die Kräfte dadurch schwinden, die wir für den aktiven Volkswiderstand brauchen. Gleichzeitig gab es gerade bei erfahreneren Mitgliedern eine auffällige Distanz zu der Protestbewegung. Sich mit allen Details zu befassen, noch mehr zu machen, „sei zu viel“. Tatsächlich ist es auch kompliziert, unter so vielen tausend Demonstranten mehrmals die Woche die Gruppe zusammenzuführen. Das sind neue Herausforderungen! Durch großen Einsatz und Auseinandersetzungen gelang es endlich, dass die verschiedenen Richtungen im REBELL wieder zusammen kamen, Freunde noch dazu, und wir zusammen aktiv wurden.

Statt REBELL-Politik in Wohnzimmern zu planen, muss das viel mehr vor Ort passieren. Dank Bastel-Anleitung des REBELL München produzierten wir direkt vor dem Bahnhof vier übergroße Fäuste als Erkennungszeichen und lernten dabei Jugendliche kennen. Am 17. September trafen wir uns zusammen zum Liederabend im bedrohten Schlosspark. Als Gruppe verbrachten wir eine Nacht im Park. Wir bauten ein großes REBELL-Zelt auf, das von der Bewegung gegen die Polizei zunächst geschützt wurde. Als um 7 Uhr morgens Tausende Polizisten die Zeltstadt räumten, hielten wir zusammen – auch als acht Polizisten unser Zelt zerstörten und 30 Polizisten einen Rebellen beim Abbau eines „zeltähnlichen“ Gestänges „bewachten“.

Jetzt geht es darum dass unser gemeinsames Auftreten Standard wird.

Wer Vorschläge oder Fragen hat, bzw. bei uns mitmachen will, kann uns gerne schreiben: rebell-stuttgart@gmx.de

Gegen Stuttgart 21