Archiv der Kategorie 'Rezension'



Rezension: Katarina Bader – Jureks Erben

Rezension des Buches von Katarina Bader „Jureks Erben. Vom Weiterleben nach dem Überleben“

Eine „merkwürdige“ Freundschaft entsteht im Herbst 1998, als die 18-jährige Redakteurin einer Schülerzeitung, Katarina Bader, in der Jugendbegegnungsstätte Ausschwitz den fast 80-jährigen Jerzy Hronowski kennenlernt, den alle Jurek nennen.

Sie, auf dem schwäbischen Dorf aufgewachsen, gut behütet in einer politisch fortschrittlichen Familie, ist fasziniert von der charismatischen Persönlichkeit Jureks, der als Zeitzeuge deutsche Jugendgruppen durch das Konzentrationslager Auschwitz führt, in das er selber als Jugendlicher deportiert worden war, in dem er vier Jahre durchlitt – und überlebte. Ihre berührende Begegnung ist es wohl, die Katarina Bader anstößt, in Krakau Polnisch zu lernen, ein Geschichtsstudium aufzunehmen, immer begleitet von Jurek als erzählendem, kritischen, großväterlichen Freund. (mehr…)



Frankfurter Buchmesse 2010: Drei interessante Neuerscheinungen

Es ist heiß und voll in den Frankfurter Messehallen. Denn es ist wieder Buchmesse und hunderte Verlage mit zehntausendenden Büchern buhlen um die Gunst der Leserinnen und Leser. Umso schwieriger ist es aus diesem Einheitsbrei an Büchern interessante und kritische Literatur herauszufiltern. Drei Bücher, die diesen Kriterien entsprechen werden jetzt kurz vorgstellt.

Frankfurter Buchmesse 2010

Jutta Ditfurth – „Die Himmelsstürmerin“

Bei diesem Buch hatte ich Glück und die Autorin war am Stand des Rotbuch Verlags, sodass ich mir mein Exemplar gleich signieren lassen konnte. Bei der Veröffentlichung handelt es sich um die längst überfällige Neuherausgabe von 1998.
Der Roman spielt zur Zeit des Aufstands der Pariser Commune 1871. Es geht um Liebe, Freiheit, Gerechtigkeit und Revolution, also alles was eine spannende Erzählung ausmacht. Ungewöhnlich für einen Revolutionsroman ist, dass die Hauptfigur eine Adelige, Freiin Gertrud Elisabeth von Beust, ist. Die Adelige wird in den Wirren des deutsch-französischen Krieges entführt und lernt einen Deserteur und Sozialisten kennen. Ihr anerzogenes Weltbild gerät ins Wanken.

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Jutta Ditfurth Signatur

Jean Ziegler – „Das Gold von Maniema“

Der einzige Roman Jean Zieglers erscheint im Verlag Neuer Weg. Zuerst wurde das Buch 1996 veröffentlicht.
Man kann Zieglers Roman ebenfalls als Revolutionsroman bezeichnen. Im Gegensatz zu „Die Himmelsstürmerin“ spielt dieser aber in einem Milieu, dass von Armut und Unterdrückung geprägt ist. Nach der Ermordung Patrice Lumumbas bricht im Kongo die Hölle los. Das Volk erhebt sich gegen die Generäle und Machthaber. Jean Ziegler war selbst Anfang der 1960er als UNO-Beamter in Afrika und erlebte das Auflehnung der Menschen hautnah. In seiner Danksagung zur deutschen Veröffentlichung schreibt er: „… Ihr Mut und ihre Fröhlichkeit, die Brüderlichkeit, die unter ihnen herrschte, begeisterten mich. Die widersprüchlichsten Leidenschaften – Aufopferung, Liebe, Hass und unbändige Hoffnung – beseelten die Frauen und Männer der Rebellenarmee. …“ In seinem Roman werden genau diese Gefühle sehr gut vermittelt.

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Ruth Werner – „Olga Benario: Ein Leben für die Revolution“

Das letzte Buch was ich vorstellen möchte ist ebenfalls schonmal erschienen. Die Neuherausgabe des Zambon Verlags lohnt sich trotzdem, da sie ein Interview mit dem Regisseur des Film „Olga Benario – ein Leben für die Revolution“ enthält.
Die Romanbiographie Ruth Werners zeichnet ein sehr bewegtes Leben der 1908 geborenen Kommunistin Olga Benario. Olga Benario organisiert sich schon früh in der Kommunistischen Jugend, um für eine gerechtere Welt zu kämpfen. Ihre politischen Ideale verrät sie niemals. 1927 wird sie mit Otto Braun verhaftet. Sie kommt kurz darauf wieder frei, Braun wird des Hochverrats angeklagt. Mit einer spektakulären Aktion wird Otto Braun befreit. Beide fliehen nach Moskau. Anfang der 1930er unterstützt Benario die revolutionäre Bewegung in Brasilien. Dort wird sie 1936 gefasst und in das faschistische Deutschland ausgeliefert, wo sie ins KZ kommt und dort ihre Tochter auf die Welt bringt. 1942 wird sie in Bernburg vergast.
Ein Buch über eine sehr beeindruckende und starke Frau.