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Dokumentarfilm: Istanbul Rising

Genossen des Internationalistischen Aktionsbündnis Frankfurt waren bei den Aufständen in der Türkei vor Ort. Sie haben einen Film über die Besetzung des Gezi-Parks und des Taksim Platzes in Istanbul gedreht und lassen die Protestierenden selber zu Wort kommen.



Das Kino war seine Leidenschaft – Zum Tod von Claude Chabrol

Am 24. Juni feierte Claude Chabrol seinen 80. Geburtstag, am vergangenen Sonntag – den 12. September – ist er in Paris gestorben. Er gehörte zu den großen französischen Filmemachern des 20. Jahrhunderts; auch in den letzten Jahren war seine Schaffenskraft ungebrochen. Mit über 70 Kinofilmen war er einer der Produktivsten Cineasten, er erreichte mit seinen sozialkritischen Werken ein Massenpublikum und erhielt zahlreiche Auszeichnungen.

Dabei ist er bescheiden geblieben: „Triumphe sind der Tod eines Filmemachers. Ich hatte schöne kleine Erfolge“, zog er anlässlich seines 80. Geburtstages Bilanz. Die aktuelle Entwicklung des französischen Films sah er mit kritischem Blick. „Der französische Film weiß zurzeit nicht, welche Richtung er einschlagen soll. Viele junge Produzenten lieben das Kino nicht wirklich: statt Filme zu machen, wollen sie einfach nur beim Film sein.“

Bei Chabrol war es Leidenschaft. Schon als Kind – er wächst in einer reichen Apothekerfamilie in Paris auf – gründete er in einer Garage einen Filmclub. Seine Studien an der Sorbonne – Literaturwissenschaft, Jura und Pharmazeutik – befriedigten ihn nicht, seine Berufung fand er 1953 in einer Gruppe von Filmkritikern um die „Cahiers du Cinéma“. Für die schrieb er seine ersten Abhandlungen über Hitchcock. Zusammen mit Eric Rohmer und Jean-Luc Godard gehörte Chabrol zu Beginn der 1960er Jahre zu den Begründern der „Nouvelle Vague“. Diese Richtung hatte den Anspruch im Kino der realistische Darstellung der Gesellschaft Bahn zu brechen. Dazu trug Chabrol mit seinen frühen Filmen entscheidend bei.

Lieblingsmotive: Bürgerliche Familienordnung, Doppelmoral, Korruption

Mit den Jahren bildete sich immer deutlicher das Kerngeschäft von Claude Chabrol heraus: Kein anderer nahm so gekonnt die Dekadenz der französischen Borgeoisie ins Visier, und keiner entlarvte so ironisch und kenntnisreich dieverlogene Doppelmoral der bürgerlichen Familienbierderkeit. Ein frühes und satirisches Beispiel ist „Der Frauenmörder von Paris“ (1962), Henri-Désiré Landru gab es wirklich, er wurde 1922 in Verilles wegen Mordes an zehn Frauen hingerichtet. In Chabrols Film wird die fast perfekte Fassade des rechtschaffenen christlichen Familienvaters erst ganz allmählich löchrig. In „Die Blume des Bösen“ (2003) kommt als bisher wohlgehütetes Familiengeheimnis ans Tageslicht, dass der angeblich so vorbildliche Großvater als Kollaborateur der faschistischen Besatzungsmacht in den Jahren 1940 bis 1944 selbst Deportationslisten aufgestellt hatte; die Bürgermeisterkandidatin macht im Wahlkampf auf Familie, während der Ehegatte die Stieftochter vergewaltigt und dafür den Wahlsieg seiner Gattin nicht mehr erleben darf. In „Eine Frauensache“ mit Chabrols Lieblingsschauspielerin Isabelle Huppert wird die bürgerliche Heuchelei aufs Korn genommen, die zur Hinrichtung einer so genannten Engelmacherin 1943 in Paris führt.

Chabrol kannte die Bourgeoisie, die Banlieue hingegen nicht

Chabrol machhte kein Hehl darauis, dass er sich in den bürgerlichen Kreisen, aus denen er selbst stammte, am besten auskannte. Auf die Frage, warum er trotz seiner sozialkritischen Ader nie die Vorstädte als Schauplatz seiner Filme gewählt habe, sagte er: „Es wäre mir peinlich, dort auf Erkundungstour zu gehen. Außerdem kenne ich das Thema nicht genug und es ist auch zu ernst, als dass ich alter Bourgeois mit meinen 80 Jahren in den sogenannten ‚Cites‘ den Hanswurst spiele.“ Er nahm jedoch durchaus Anteil an den Auseinandersetzungen seiner Zeit und bezog Stellung gegen die herrschende Politik, so z.B. in „Geheime Staatsaffären“ nach dem authentischen Fall der Elf-Aquitaine-Schmiergeldaffäre.

Claude Chabrol war bis zum Schluss voller Lebensfreude und Schaffensdrang. „Ich habe mit meiner Tochter an einem neuen Drehbuch gearbeitet. Außerdem werde ich eine Maupassant-Verfilmung fürs Fernsehen drehen: „Fettklößchen“ – ein alter Traum von mir. Das Buch trifft genau den Kern meines Werkes: das Verhältnis von Bourgeoisie und Volk.“

Daraus wird jetzt leider nichts mehr.

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Das Biest muss sterben
Die untreue Frau

Claude Chabrol Collection 1
Claude Chabrol Collection 2
Claude Chabrol Collection 3
Claude Chabrol Collection 4